Kontrolle und Koordination durch Algorithmen. Wie die Uber-App die Handlungsspielräume von Fahrer*innen bestimmt

Was hat Facebooks personalisierter Newsfeed mit der App gemein, die der Arbeit von Uber-Fahrer*innen zugrunde liegt? Algorithmische Regulierung – die Kontrolle und Koordination individuellen Handelns durch Algorithmen – prägt immer mehr gesellschaftliche Prozesse. Das zeigt eine neue Untersuchung der Weizenbaum-Wissenschaftler*innen Florian Eyert, Florian Irgmaier und Lena Ulbricht.

Oft kaum wahrnehmbar, entfaltet algorithmische Regulierung ihre Wirkung, indem sie Individuen und soziale Sachverhalte abbildet, bewertet und beeinflusst. Wie im Brennglas zeigt sich dieses Potential in der Uber Driver App, die Vergütungen festsetzt, Kund*innenbewertungen bündelt und über digitale Interfaces Verhalten beeinflusst. Dass "der Chef" eine App ist, bedeutet für Uber-Fahrer*innen zum einen ein gewisses Maß an Flexibilität mit Blick auf Arbeitszeiten und Einsatzort. Entgegen der Selbstdarstellung des Unternehmens als neutraler Vermittler greift die App zum anderen aber massiv in die Handlungsspielräume der Fahrer*innen ein, ohne dass hiermit dieselben Rechte und Leistungen einher gingen wie in vordigitalen Arbeitsformen.

Obwohl deutlich ist, dass digitale Technologien gesellschaftliche Kontrolle und Koordinationsweisen immer stärker prägen, gibt es noch wenig systematische Forschung darüber, in welcher Form und in welchem Ausmaß dies geschieht. Großtheorien über den Überwachungskapitalismus und detailreiche Fallstudien über sehr diverse Anwendungsfälle stehen häufig unverbunden nebeneinander und es besteht Uneinigkeit, wie digitale Technologien sich auf soziale Koordinationsprozesse auswirken – etwa mit Blick auf die Autonomie betroffener Individuen. In ihrem neuen Beitrag entwickeln die Weizenbaum-Forscher*innen Florian Eyert, Florian Irgmaier und Lena Ulbricht das Konzept der „algorithmischen Regulierung“ zu einem ausdifferenzierten, theoretisch fundierten Analyserahmen weiter. Anhand des Analyserahmens lässt sich etwa herausarbeiten, in welcher Art Uber-Fahrer*innen durch die App beeinflusst werden.

Aus dieser Perspektive wird deutlich, dass algorithmische Regulierung dynamischer ist als vordigitale Kontroll- und Koordinationsformen und es vereinfacht, zahlreiche Formen der Verhaltensbeeinflussung zu kombinieren. Dies führt aber zu gesellschaftlichen Problemen, die erst dann hinreichend verstanden und verhandelt werden können, wenn man die verschiedenen Dimensionen von algorithmischer Regulierung analysiert. So kann das Framework der Forscher*innen auch dazu dienen, zukünftige Strategien zur politischen Gestaltung von Arbeitsbedingungen in der Plattformökonomie zu informieren.

Der Artikel mit dem Titel "Extending the framework of algorithmic regulation. The Uber case" ist in der Zeitschrift Regulation & Governance erschienen. 

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