Der Strukturwandel der wissenschaftlichen Öffentlichkeit

In ihrem Arbeitspapier untersuchen Weizenbaum-Wissenschaftler Maximilian Heimstädt und der Wirtschaftswissenschaftler Leonhard Dobusch (Universität Innsbruck) den Wandel der wissenschaftlichen Öffentlichkeit aus einer organisationstheoretischen Perspektive.

Maximilian Heimstädt und Leonhard Dobusch konstatieren in ihrem Arbeitspapier "The Structural Transformation of the Scientific Public Sphere" einen grundlegenden Strukturwandel der wissenschaftlichen Öffentlichkeit, der charakterisiert ist durch Prozesse der Spezialisierung, Metrifizierung, Internationalisierung, Plattformisierung und Visibilisierung. In Abgrenzung zu technikdeterministischen Erklärungen des Strukturwandels versuchen sie, mit einem organisationstheoretischen Ansatz am Beispiel der Open-Access-Transformation in Deutschland die historische Kontingenz des Wandels sichtbar zu machen. Den Autoren zufolge habe sich der Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen durch die Digitalisierung von Fachzeitschriften nicht erweitert, sondern im Zuge der „Zeitschriftenkrise“ sogar weiter verengt. Forschungseinrichtungen waren lange Zeit nicht in der Lage gegenüber den großen Wissenschaftsverlagen weniger restriktive Formen des Literaturzugangs durchzusetzen. Erst durch die Entstehung neuer und teils illegaler Akteure (Schattenbibliotheken und Preprint-Server) konnte der bestehende Pfad gebrochen und ein Open-Access-Pfad konstituiert werden.

Im Anschluss an diese Analyse diskutieren die Autoren Konsequenzen der Open-Access-Transformation für die wissenschaftliche und demokratische Öffentlichkeit. Sie kommen zum Schluss, dass Open Access nur in Verbindung mit einer Förderung gemeinnütziger Publikationsinfrastrukturen dazu beitragen kann, beide Kommunikationsräume in Richtung eines normativen Ideals von Öffentlichkeit zu verändern.

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