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„Triggerpunkte“: Workshop mit Steffen Mau am Weizenbaum-Institut

Selten zuvor hat ein soziologisches Fachbuch so viel öffentliche Aufmerksamkeit erhalten wie das Buch „Triggerpunkte“. Zwei der Autoren, Steffen Mau und Thomas Lux, sowie Julian Heide, ebenfalls Soziologe an der Humboldt-Universität zu Berlin, waren zu Gast am Weizenbaum-Institut. Sie diskutierten am 28. Juni 2024 in einem Workshop mit Wissenschaftler:innen aus der Kommunikationswissenschaft.

Der Soziologie-Bestseller geht der Frage nach, ob die verbreitete Diagnose einer gesellschaftlichen Polarisierung zutrifft. Es kommt zum überraschenden Ergebnis: Feste Gesinnungslager, wie es die These unterstellt, haben sich in Deutschland bisher nicht herausgebildet. Das zeigt die empirische Vermessung in vier Ungleichheitsarenen. Woran liegt es, dass gleichwohl der Eindruck einer Polarisierung verbreitet ist?

Der Titel „Triggerpunkte“ gibt bereits die Antwort: Er betont die Bedeutung der Öffentlichkeit, die – im Unterschied zur Gesellschaft – affektiv polarisiert ist. „Polarisierungsunternehmer“ nutzen die „Triggerpunkte“ strategisch und erhitzen damit den öffentlichen Diskurs – etwa dann, wenn sie Ungleichbehandlung oder Verhaltenszumutungen anklagen, um Wut auszulösen. Digitale Plattformen erleichtern dies, weil darauf am Journalismus vorbei und damit ungeprüft kommuniziert werden kann.

Damit ist die Öffentlichkeit weniger – wie zumeist unterstellt wird – ein Spiegel der Gesellschaft, sondern vielmehr eine treibende Kraft: Der öffentliche „Erregungsüber­schuss“ kann zur Spaltung der Gesellschaft beitragen, denn der Eindruck einer affektiven Polarisierung kann auf Einstellungen und Handeln zurückwirken. Das heißt: Die öffentliche Polarisierung könnte erst gesellschaftliche Polarisierung hervorrufen.

Wie sich dieser Zusammenhang empirisch untersuchen lässt, war das zentrale Thema des Workshops. Die Teilnehmer:innen stellten Forschungsideen vor, die an die „Triggerpunkte“ anknüpfen, und konnten sie mit den Autoren diskutieren. Organisiert haben den Workshop Christoph Neuberger (Weizenbaum-Institut) und Gerhard Vowe (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf).