Hashtags als Form politischer Meinungsäußerung

Eine Weizenbaum-Studie zeigt anhand der 2018 auf Twitter geführten Rassismusdebatte um #metwo, wie soziale Medien neue Möglichkeiten eröffnen, die öffentliche Meinung zu erforschen.

Im Rahmen ihrer Arbeit in der Forschungsgruppe „Demokratie und Digitalisierung” untersuchten Sebastian Berg, Tim König und Ann-Kathrin Koster den politischen Gebrauch von Hashtags. Die unter dem Titel „Political Opinion Formation as Epistemic Practice: The Hashtag Assemblage of #metwo” in der Fachzeitschrift Media and Communication erschienene Studie legt ein neues Verständnis dar, wie Hashtags in der Tradition der Repräsentation öffentlicher Meinung im Kontext demokratischer Politik verstanden werden können.

Im Vergleich zu herkömmlichen Meinungsumfragen, bei denen Bürger*innen eine passive Rolle einnehmen, sehen die Autoren*innen in von Hashtags dominierten Medien wie Twitter eine neue Form der politischen Meinungsäußerung. Hashtags sind auf diesen Plattformen als technische Werkzeuge zu verstehen, die große Datenmengen, also artikulierte Meinungen, einer kritischen Öffentlichkeit sortieren.

In ihrer Arbeit stellen die Forschenden fest, dass Journalisten und Nachrichtenagenturen dazu tendieren, den digitalen Diskurs als einheitliche Bewegung zu portraitieren. Dabei zeigen die Studienergebnisse, dass Tweets ein sehr viel vielstimmigeres und dynamischeres Meinungsbild zeichnen, als es klassische Meinungsumfragen in dem Detailgrad könnten. Gleichzeitig bringt es auch die Notwendigkeit neuer interpretativer Verfahren mit sich. 

Dass die unter einem Hashtag gebündelten Tweets eine Vielfalt an Themen, Meinungen und Stimmungen widerspiegeln, erarbeiten die Autor*innen mittels einer Netzwerkanalyse am Beispiel des Hashtags #metwo. Unter diesem Schlagwort löste im Sommer 2018 der Fußballer Mesut Özil eine breite gesellschaftliche Rassismusdebatte aus, die unter anderem auch auf Twitter geführt wurde.

Über die Autor*innen

Sebastian Berg ist seit November 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe Demokratie und Digitalisierung am Weizenbaum-Institut und Doktorand am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität zu Berlin.

Tim König ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hildesheim und war bis September 2020 studentischer Mitarbeiter der Forschungsgruppe „Demokratie und Digitalisierung“.

Ann-Kathrin Koster ist Stipendiatin am Schaufler Kolleg der Technischen Universität Dresden und war bis September 2019 Studentische Mitarbeiterin der Forschungsgruppe „Vertrauen in verteilten Umgebungen“.

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