WIr im Verbund – Forschung nutzbar machen in der digitalen Gesellschaft
20.04.2026In der neusten Ausgabe unserer Reihe stellen wir Manfred Hauswirth vor. Er ist Institutsleiter von Fraunhofer FOKUS, Professor an der Technischen Universität Berlin und Direktor am Weizenbaum Institut.
In der Reihe „WIr im Verbund“ stellen wir leitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Weizenbaum‑Instituts und seiner Partner vor. Sie zeigen, wie interdisziplinäre Forschung im Verbund entsteht – und wie aus wissenschaftlicher Erkenntnis gesellschaftlich wirksame digitale Lösungen werden.
Prof. Dr. Manfred Hauswirth ist Institutsleiter von Fraunhofer FOKUS, Professor an der Technischen Universität Berlin und Direktor am Weizenbaum‑Institut. In dieser Dreifachrolle verbindet er universitäre Grundlagenforschung und interdisziplinäre, anwendungsorientierte IT-Forschung – und steht exemplarisch für den Anspruch des Weizenbaum‑Konsortiums, Technik und gesellschaftliche Wirkung gemeinsam zu denken.
Technik, Gesellschaft und Anwendung zusammen denken
Digitale Transformation ist für Hauswirth mehr als technischer Fortschritt. Sie verändert Organisationen, Entscheidungsstrukturen und gesellschaftliche Prozesse. „Damit Forschung nutzbar wird, müssen Technik und gesellschaftliche Wirkung zusammen gedacht werden“, sagt Hauswirth. „Am Weizenbaum‑Institut überführen wir interdisziplinäre Wissenschaft in praxistaugliche, sichere und souveräne digitale Lösungen.“ Fraunhofer FOKUS versteht er dabei als Technologiepartner und Vernetzungsinstitut: Seit Jahrzehnten gestaltet das Institut den digitalen Wandel an der Schnittstelle von Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung. Im Zentrum steht neben der Entwicklung und Vernetzung digitaler Technologien auch die Vernetzung organisationaler Strukturen und der Menschen, die diese Systeme entwickeln, nutzen und verantworten.
Digitalisierung für eine resiliente Gesellschaft
Ein Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit dem Weizenbaum-Institut liegt in der Antizipation und Bewältigung von Krisen durch digitale Technologien und vernetzte Sicherheitslösungen (Forschungsgruppe „Digitalisierung und vernetzte Sicherheit“). Gemeinsam mit sozial‑ und kommunikationswissenschaftlichen Partnern am Weizenbaum-Institut analysieren die FOKUS-Forscherinnen und -Forscher, wie die Bevölkerung und Sicherheitseinrichtungen z. B. über Warntechnologien wie KATWARN interagieren, wie Vertrauen entsteht und wie digitale Informationen über Katastrophen und Krisen wahrgenommen werden.
Diese Erkenntnisse fließen wiederum direkt in die Technologieentwicklung am Fraunhofer FOKUS ein und werden etwa im SIRIOS Lab, einem immersiven Forschungslabor für innovative Sicherheitslösungen, unter anderem für Trainings von Einsatzkräften genutzt. Durch dieses Zusammenspiel komplementärer Partner finden gesellschaftliche, organisatorische und ethische Fragestellungen von Beginn an interdisziplinär Berücksichtigung in der Technologieentwicklungen.
Digitale Souveränität in der Wissenschaft
„Exzellenz entsteht nicht im Silo“, so Hauswirth. „Sie entsteht dort, wo Disziplinen und Institutionen ihr Wissen bündeln und gemeinsam Verantwortung übernehmen.“ Die enge Zusammenarbeit zwischen Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Berliner Wissenschaftsstandorts. Als Mitglied im Steering Committee der Berlin University Alliance bringt Hauswirth diese Perspektive auch in die strategische Weiterentwicklung des Verbunds ein. Gemeinsame Professuren, Forschungsprojekte, Labore und digitale Infrastrukturen schaffen offene Forschungsumgebungen, in denen wissenschaftliche Tiefe und Praxisnähe systematisch zusammenkommen.
Ein Beispiel hierfür ist auch die Mitarbeit von Fraunhofer FOKUS in der Weizenbaum‑Forschungsgruppe zur „Digitalisierung und Öffnung der Wissenschaft“: Untersucht wird, wie Dateninfrastrukturen, Datenwerkzeuge und KI‑basierte Methoden wissenschaftliche Praxis verändern – und wie diese so gestaltet werden können, dass Transparenz, Reproduzierbarkeit und ethische Verantwortlichkeit gewährleistet bleiben. Fraunhofer FOKUS bringt hier insbesondere seine Erfahrung mit föderierten Dateninfrastrukturen, interoperablen Systemarchitekturen und der aktiven Mitgestaltung nationaler Forschungsdateninitiativen ein, etwa im Kontext von NFDI‑Initiativen, und leistet so einen Beitrag zu digitaler Souveränität in der Wissenschaft.
Das Vernetzungsinstitut Fraunhofer FOKUS
Gemäß dem Motto „Wir vernetzten alles!“ erforscht und gestaltet das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS den digitalen Wandel und seine Auswirkungen auf Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie. Das Institut bietet Wirtschaftsunternehmen und der öffentlichen Verwaltung die gesamte Bandbreite an Forschungsleistungen: Von der Anforderungsanalyse über Beratung, Machbarkeitsstudien, Technologieentwicklung bis zu Prototypen und Pilotierungen. Entlang des gesamten Entwicklungsprozesses verteilter Systeme bringt Fraunhofer FOKUS damit sichere und resiliente Daten- und Kommunikationstechnologien auf höchstem wissenschaftlichem Niveau in die Anwendung.