Weizenbaum-Studie sieht systematische Verstöße gegen humanitäres Völkerrecht durch KI-Zielsysteme in Gaza
25.06.2026Eine Studie unter des Weizenbaum-Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass KI-gestützte Zielsysteme, die laut Medienberichten von den israelischen Streitkräften im Gazastreifen eingesetzt wurden, grundlegende Prinzipien des humanitären Völkerrechts verletzen.
Die Forschenden sehen nicht nur Risiken durch einzelne Fehlentscheidungen, sondern systemische Probleme in der Funktionsweise der Systeme selbst.
Untersucht wurden die Systeme „Lavender“, „Gospel“ und „Where’s Daddy?“ anhand der zentralen völkerrechtlichen Anforderungen militärischer Angriffe: der Unterscheidung zwischen militärischen und zivilen Zielen, der Pflicht zu Vorsichtsmaßnahmen sowie dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Die Studie wurde auf der renommierten internationalen Konferenz „Fairness, Accountability and Transparency“ (FAccT) der Association for Computing Machinery (ACM) in Montréal, Kanada, vorgestellt.
„Unsere Untersuchung zeigt, dass diese KI-Systeme systematisch Bedingungen schaffen, unter denen die Anforderungen des humanitären Völkerrechts nicht eingehalten werden können“, sagt Rainer Rehak, Wissenschaftler am Weizenbaum-Institut, der gemeinsam mit der Völkerrechtlerin Taylor Kate Woodcock vom TMC Asser Institut für Völkerrecht die Studie verfasst hat. „Wenn algorithmische Systeme täglich Tausende potenzieller Ziele generieren, ohne dass eine nachvollziehbare individuelle Prüfung gewährleistet ist, wird damit die Schwelle für den Einsatz tödlicher Gewalt erheblich abgesenkt.“
Besonders kritisch bewerten die Forschenden die große Zahl ziviler Opfer, die direkt in die Software einprogrammiert wird und in vielen Fällen hunderte Menschen pro Ziel betrug. Die Studie wirft zudem Fragen nach der Verantwortung von Technologieunternehmen auf, die digitale Infrastruktur für militärische KI-Anwendungen bereitstellen.
Die Autor:innen verstehen ihre Analyse als Beitrag zur internationalen Debatte über die Regulierung militärischer KI-Systeme und die Durchsetzung menschen- und völkerrechtlicher Standards in einer zunehmend automatisierten Kriegsführung.