Sorge um das politische Klima in Deutschland
21.04.2026Weizenbaum Report 2026 belegt steigende politische Partizipation bei zunehmender Sorge um die Demokratie
Soziale Medien prägen die politische Information immer stärker und das bürgerschaftliche Engagement steigt spürbar. Gleichzeitig sehen sich immer mehr Menschen mit Falschnachrichten konfrontiert und die Mehrheit empfindet Gewalt gegen Politiker:innen als Bedrohung für die Demokratie.
Dies geht aus dem heute veröffentlichten Weizenbaum Report 2026 „Politische Partizipation in Deutschland“ des Weizenbaum-Instituts hervor. Grundlage ist eine bevölkerungsrepräsentative Telefonbefragung im Herbst 2025. Die Studie ermöglicht seit 2019 den Vergleich politischer Einstellungen und Aktivitäten im Zeitverlauf und liefert damit wichtige Erkenntnisse für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft:
- Soziale Medien und Videoplattformen gewinnen weiter an Bedeutung für politische Inhalte und Nachrichten. Das Vertrauen in etablierte Medien bleibt stabil.
- Nach deutlichem Rückgang während der COVID-Pandemie engagieren sich 2025 wieder mehr Menschen in Deutschland politisch. Die Teilhabe im Internet ist im Zeitverlauf stabil.
- Bürger:innen stoßen zunehmend auf Falschnachrichten und Hasskommentare.
- Die Mehrheit der Bevölkerung hält Gewalt gegen Politiker:innen für verbreitet und sieht die Demokratie bedroht. Diese Wahrnehmung geht mit höherer Partizipation einher.
Soziale Medien prägen zunehmend die Nachrichtennutzung
Zwei Drittel der Bevölkerung informiert sich regelmäßig online. Videoplattformen wie YouTube oder TikTok werden inzwischen von 47 Prozent regelmäßig genutzt (2021: 41 Prozent), soziale Netzwerke von 36 Prozent (2021: 31 Prozent). Insgesamt jedoch nimmt das genutzte Medienrepertoire ab: Während 2021 durchschnittlich 2,5 der vier abgefragten Medienformen – Presse, Fernsehen, Radio und Internet – genutzt wurden, waren es 2025 nur noch 2,3. Gleichzeitig nimmt die Nachrichtenvermeidung zu. Im Vergleich zum Jahr 2021 hat sich der Anteil derer, die sich gar nicht mehr politisch informieren, von vier auf sieben Prozent fast verdoppelt.
Wahrnehmung von Falschnachrichten im Internet nimmt stark zu
Hasskommentare werden unvermindert als Problem des digitalen Diskurses wahrgenommen. 42 Prozent der Bürger:innen haben 2025 mindestens einen Hasskommentar gesehen. Erstmals wurde dieser Wert jedoch von Falschnachrichten überholt, mit denen sich 47 Prozent der Deutschen konfrontiert sahen – der höchste Wert seit Studienbeginn. Hier spiegelt sich die Zunahme KI-generierter Inhalte in allen Bereichen des Internets wider. Parallel dazu steigt auch der Anteil der Menschen, die sich dem entgegenstellen – etwa durch Widerrede oder Beschwerden bei Plattformbetreibern.
Gewalt gegen Politiker:innen bedroht Demokratie
Über zwei Drittel der Deutschen (69 Prozent) sieht die Demokratie durch Gewalt gegen Politiker:innen bedroht. Die Auswertung der gemeinsam mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) entwickelten Fragen zeigt: 81 Prozent der Bürger:innen halten Gewalt gegen Politiker:innen für sehr oder eher verbreitet. Diese Wahrnehmung geht mit stärkerer Teilhabe einher – insbesondere bei Demonstrationen, mit Petitionen und dem Kontakt zu Abgeordneten.
„Die Bürger:innen in Deutschland engagieren sich 2025 wieder stärker für die Demokratie – auch und gerade im digitalen Raum. Zugleich zeigen die Daten klare Erwartungen an einen respektvollen Diskurs und faktenbasierten Austausch. Die Studie macht deutlich, dass digitale Technologien politische Teilhabe erleichtern, aber auch neue Herausforderungen mit sich bringen. Hier gibt es Handlungsbedarf, sowohl für die Zivilgesellschaft als auch für die Politik, die sich um stabile Rahmenbedingungen kümmern muss“, so Prof. Dr. Martin Emmer, Leiter des Weizenbaum Panels und einer der Autor:innen des Reports.
Der vollständige Weizenbaum Report 2026 steht unter diesem Link zum Download zur Verfügung: https://doi.org/10.34669/wi.wr/7