Weizenbaum-Forscherin Milagros Miceli fordert bessere Arbeitsbedingungen für Datenarbeiter:innen

04/15/2026

Weizenbaum-Forscherin Milagros Miceli spricht am 15. April im Bundestag über die Arbeitsbedingungen von Datenarbeiter:innen, also von Beschäftigten, die Daten für das Training von KI-Systemen kennzeichnen und aufbereiten.

Gemeinsam mit weiteren Expertinnen fordert sie dort bessere Arbeitsbedingungen, gesellschaftliche Anerkennung und eine strengere Regulierung von Datenarbeit. Miceli leitet am Weizenbaum-Institut das Projekt „Data Workers’ Inquiry“ sowie die Forschungsgruppe „Daten, algorithmische Systeme und Ethik“.

Miceli forscht seit neun Jahren zu diesem Themenfeld. Sie beschreibt Datenarbeit als ein breites Feld, das über klassisches Datenlabeling hinausgeht. Dazu zählen auch Datengenerierung, Content-Moderation, algorithmische Supervision und KI-Imitation. Nach Angaben des Berichts von Cognilytica Research entfällt ein großer Teil des Aufwands in KI-Projekten auf Datenarbeit. Sie macht rund 80 Prozent der Arbeitsstunden in der KI-Entwicklung aus. Dennoch spiegelt sich diese Bedeutung weder in der Bezahlung noch in den Arbeitsbedingungen angemessen wider.

„Datenarbeiter:innen treffen Entscheidungen, die die Funktionsweise von KI direkt beeinflussen. Datenarbeit ist eine professionelle Tätigkeit. Sie erfordert Fähigkeiten, Erfahrung und Verantwortung, die gesellschaftliche Anerkennung und eine angemessene Bezahlung verdienen“, sagt Miceli.

Datenarbeiter:innen trainieren die KI-Systeme, die viele Menschen täglich nutzen. Ihre Arbeit bleibt jedoch meist unsichtbar. Miceli und die kenianische Datenarbeiterin Joan Kinyua machen deutlich, dass diese Tätigkeit für die Funktionsweise digitaler Technologien zentral ist, aber oft unter prekären Bedingungen stattfindet.

Joan Kinyua, Datenarbeiterin und aus Kenia, Gründerin der Data Labelers Association und Mitforscherin bei Data Workers’ Inquiry, schildert im Bundestag die Situation aus der Praxis. Sie berichtet von traumatisierenden Inhalten, ständiger Erreichbarkeit und sehr niedrigen Löhnen. Für mehrere Stunden Arbeit erhalten Beschäftigte teils nur wenige Cent.

Die Berichte zeigen die menschlichen Kosten hinter der Entwicklung globaler KI-Systeme. Miceli und Kinyua machen deutlich: Wer über verantwortungsvolle KI spricht, muss auch über faire Arbeitsbedingungen für die Menschen sprechen, die diese Systeme trainieren. Die Weltbank schätzt die Zahl der weltweit in diesem Bereich Beschäftigten auf bis zu 430 Millionen Menschen. Vor diesem Hintergrund fordern die Expertinnen im Bundestag bessere Löhne, den Schutz der mentalen Gesundheit und verbindliche Regeln für die Branche.

Studie und Projekt

Studie: Who Trains the Data for European Artificial Intelligence?

Projekt: Data Workers’ Inquiry