Viktoria Kraetzig: Grundrechte, Plattform-AGB und digitale normative Ordnungen

07/06/2026

Viktoria Kraetzig ist Juristin mit Schwerpunkt im Recht des geistigen Eigentums und forscht an der Schnittstelle von Verfassungsrecht, Plattformregulierung und digitaler Governance.

Sie studierte Rechtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, promovierte und habilitierte an der Goethe-Universität Frankfurt. Parallel dazu war sie als Justitiarin bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie als Rechtsanwältin in Berlin tätig. Ihre Dissertation „Urheberrecht als Zensurrecht“ wurde mit dem Dissertationspreis der GRUR ausgezeichnet. Forschungsaufenthalte führten sie unter anderem an den Gerichtshof der Europäischen Union, die Universität Cambridge, die Luiss in Rom sowie aktuell erneut nach Cambridge und an das European University Institute in Florenz.

Im Februar 2026 war Kraetzig als Gastwissenschaftlerin am Weizenbaum-Institut in der Forschungsgruppe „Normsetzung und Entscheidungsverfahren“ tätig. Im Juli 2026 kehrte sie als Fellow an das Institut zurück. Im Mittelpunkt ihres Projekts „Grundrechte per AGB?“ steht die Frage, wie sich digitale normative Ordnungen durch Plattform-AGB im Rahmen des Digital Services Act (DSA) herausbilden. Dabei untersucht sie insbesondere die „materiellen Anforderungen, die Art. 14 DSA für Inhaltemoderationen auf Plattform aufstellen kann“, sowie die „Regelungswirkung, welche die sekundärrechtliche Verpflichtung auf eine Horizontalwirkung von Grundrechten im Plattform-Nutzer-Verhältnis in Art. 14 Abs. 4 DSA entfaltet“.

Rückblickend beschreibt Kraetzig ihren Aufenthalt vor allem als Raum intensiver fachlicher Auseinandersetzung: „Ich denke als Erstes an die Arbeit und den Austausch in einer interdisziplinären Forschungsgruppe, der für mein Thema bereichernd war.“ Besonders prägend war für sie die Einbettung in die Forschungsgruppe „Normsetzung und Entscheidungsverfahren“, in der sie ihr Projekt weiterentwickeln und in einen breiteren theoretischen Kontext einordnen konnte.

Ein zentraler Erkenntnisgewinn ihres Aufenthalts liegt in der Erweiterung ihrer Perspektive auf die vom DSA adressierten Problemlagen. Ihre Zeit am Weizenbaum-Institut habe ihr Projekt bereichert, da sie „über die vom DSA adressierten Gefährdungslagen auch aus der Perspektive anderer Disziplinen nachgedacht“ habe. Diese interdisziplinäre Öffnung habe neue Impulse für die juristische Analyse digitaler Plattformregulierung ermöglicht.

Mit ihrem Projekt „Grundrechte per AGB?“ leistet Kraetzig einen Beitrag zur aktuellen Debatte über die rechtliche Verfasstheit digitaler Plattformen und die Rolle privater Akteure bei der Ausgestaltung normativer Ordnungen im Internet. Dabei steht insbesondere die Frage im Zentrum, wie Grundrechte im Verhältnis zwischen Plattformen und Nutzer:innen wirksam werden und welche regulatorischen Strukturen daraus folgen.

Ihr Fellowship am Weizenbaum-Institut unterstreicht damit die Bedeutung interdisziplinärer Forschung für das Verständnis der rechtlichen und gesellschaftlichen Dynamiken digitaler Öffentlichkeiten.