Rückblick: Adrian Daub: „Was das Valley herrschen nennt“

06/02/2026

Mehr als 100 Gäste besuchten am 1. Juni 2026 die Veranstaltung mit Prof. Adrian Daub zur Vorstellung seines neuen Buches „Was das Valley herrschen nennt“.

Der Germanist und Kulturwissenschaftler lehrt an der Stanford University und gilt als einer der profiliertesten deutschsprachigen Beobachter des Silicon Valley. Mit seinen Analysen zu Technologie, Kultur und Politik hat er sich weit über die Wissenschaft hinaus einen Namen gemacht.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Frage, wie die führenden Akteure des Silicon Valley Macht verstehen und legitimieren. In seinem neuen Buch untersucht Daub die ideologischen und kulturellen Grundlagen des Herrschaftsverständnisses von Tech-Eliten und zeigt, wie deren Einfluss zunehmend auch politische Entscheidungsprozesse prägt. Dabei richtet er den Blick nicht nur auf Unternehmen wie Meta, Palantir oder OpenAI, sondern auch auf die gesellschaftlichen Vorstellungen von Effizienz, Innovation und Führung, die den Machtanspruch der Branche stützen.

Daub argumentiert, dass die politische Rolle von Big Tech nicht allein durch wirtschaftliche Stärke erklärt werden kann. Vielmehr seien spezifische Vorstellungen von Fortschritt, Unternehmertum und gesellschaftlicher Ordnung entstanden, die heute zunehmend politischen Einfluss entfalten. Vor diesem Hintergrund diskutierte er auch die Folgen für demokratische Institutionen und den Umgang mit aktuellen politischen Krisen.

In der anschließenden Diskussion wurden die Thesen des Buches kritisch vertieft. Die zahlreichen Fragen und Wortmeldungen aus dem Publikum machten deutlich, wie groß das Interesse an den politischen und gesellschaftlichen Auswirkungen digitaler Machtkonzentration ist. Die Veranstaltung wurde von Sebastian Berg aus der Forschungsgruppe Technik, Macht und Herrschaft organisiert.

Prof. Dr. Adrian Daub ist J.E. Wallace Sterling Professor in the Humanities im Department für Germanistik an der Universität Stanford (USA) und Barbara D. Finberg Director des Michelle R. Clayman Institute for Gender Research. Er schreibt u. a. für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter: Cancel Culture Transfer, Wie eine moralische Panik die Welt erfasst (Suhrkamp, 2023), Was das Valley denken nennt (Suhrkamp, 2020). Im Oktober erscheint der Titel „Project 1933. Fascism Then and Now“.