Hände, die ein Smartphone halten. Die Hände gehören zu einer jüngeren Person. An den Finger sind Ringe.

Kinder- und Jugendmedienschutz: Notwendigkeit konsequenter Plattformverantwortung

10/19/2026

Die Bundesregierung hat die Eckpunkte zum Kinder- und Jugendmedienschutz beschlossen. Das Weizenbaum-Institut betont: Maßnahmen können Kinder und Jugendliche nur dann wirksam schützen, wenn Plattformbetreibende stärker in die Verantwortung genommen werden.

Die Bundesregierung hat die von Bundesministerin Karin Prien vorgelegten Eckpunkte zum Kinder- und Jugendmedienschutz beschlossen. Das Weizenbaum-Institut begrüßt grundsätzlich diese Eckpunkte, die die Grundlage für die Ausarbeitung konkreter Maßnahmen bieten sollen. Wissenschaftler:innen des Weizenbaum-Instituts betonen jedoch: Maßnahmen können Kinder und Jugendliche nur dann wirksam schützen, wenn Plattformbetreibende stärker in die Verantwortung genommen und bestehende Regulierungslücken geschlossen werden.

Die beschlossenen Eckpunkte bauen unmittelbar auf den Empfehlungen einer unabhängigen Sachverständigenkommission auf, die die Bundesregierung im Vorfeld beraten hat. Teil dieses Gremiums war auch Dr. Annika Baumann, Digitalexpertin und Forschungsgruppenleiterin am Weizenbaum-Institut:

„Die verabschiedeten Eckpunkte sind ein sinnvoller erster Schritt hin zu einem umfassenderen Kinder- und Jugendmedienschutz. Altersgrenzen und Medienbildung können dabei wichtige Bausteine sein. Sie reichen jedoch nicht aus, wenn Risiken durch die Gestaltung digitaler Angebote mitverursacht werden“, erklärt Dr. Annika Baumann anlässlich der Veröffentlichung des Papiers. „Die Eckpunkte benennen klar die Hauptverantwortung der Plattformen. Nun kommt es darauf an, bestehende Pflichten konsequent durchzusetzen und angekündigte Anforderungen konkret auszugestalten. Zugleich braucht es Prävention sowie niedrigschwellige Hilfe- und Meldewege, etwa die geplante Kinder-Onlinewache.“

Interdisziplinäre Forschung für ein sichereres Netz

Das Weizenbaum-Institut begleitet und prägt die Debatte um den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet seit Jahren mit fundierten wissenschaftlichen Analysen. In verschiedenen Forschungsgruppen an der Schnittstelle von Digitalisierung, Recht und Gesellschaft untersuchen die Wissenschaftler:innen, wie Algorithmen, Suchtmechanismen (wie „Dark Patterns“) und Geschäftsmodelle digitaler Konzerne das Wohlbefinden junger Nutzer:innen beeinflussen.

Im Zentrum der Weizenbaum-Forschung steht dabei der von der Expert:innenkommission benannte Ansatz „Safety by Design“: Digitale Angebote sollen von Grund auf so gestaltet sein, dass Risiken wie Cybermobbing, Desinformation oder algorithmische Manipulation minimiert werden.

Wissenschaft und Praxis: Impulse für die Medienbildung

Effektiver Jugendschutz braucht zudem eine starke demokratische und medienpädagogische Praxis. Einen zentralen Baustein dieses Wissenstransfers bietet auch die gemeinsame Publikationsreihe des Weizenbaum-Instituts mit der Landeszentrale für politische Bildung: In dieser Reihe werden komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse über die Dynamiken des digitalen Raums speziell für die pädagogische Praxis, Schulen und die politische Bildung aufbereitet. Die Veröffentlichungen bieten konkrete Handlungsempfehlungen zu Themen wie algorithmischer Meinungsbildung, digitaler Resilienz und dem Umgang mit Desinformation.

Weitere Informationen zur Publikationsreihe:

https://www.weizenbaum-institut.de/publikationen/publikationsreihe-politische-bildung/

Photo credits: Priscilla Du Preez