EU AI Act: Ab dem 2. August 2026 beginnt die nächste Phase der KI-Regulierung

07/30/2026

Mit dem 2. August 2026 tritt eine weitere zentrale Stufe der europäischen KI-Verordnung (KI-VO) in Kraft. Für Unternehmen, Behörden und andere Organisationen gelten dann insbesondere die Transparenzpflichten beim Einsatz bestimmter KI-Systeme. Die Umsetzung wirft jedoch zahlreiche rechtliche und praktische Fragen auf.

Wer muss jetzt handeln?

Zwei Jahre nach dem Inkrafttreten der KI-VO werden ab dem 2. August 2026 weitere wesentliche Bestimmungen unmittelbar anwendbar. Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Transparenzpflichten nach Artikel 50 KI-VO. Sie gelten für Anbieter:innen und Betreiber:innen und sollen sicherstellen, dass Nutzende erkennen können, wenn bestimmte Inhalte mithilfe Künstlicher Intelligenz erzeugt oder wesentlich verändert wurden. Auch für bestimmte KI-generierte Texte gelten Kennzeichnungspflichten, sofern keine Ausnahmeregelungen greifen, beispielsweise wenn eine menschliche redaktionelle Kontrolle erfolgt ist. Anwendungen, die KI lediglich unterstützend einsetzen, etwa für Rechtschreibkorrekturen oder Übersetzungen, sollen hingegen grundsätzlich nicht unter die Kennzeichnungspflichten fallen. Hier wird es voraussichtlich zu Abgrenzungsschwierigkeiten kommen und den Leitlinien sowie insbesondere der Rechtsprechung wegweisende Rollen zukommen.

Was bedeutet dies für die Akteur:innen?

Für Unternehmen, Behörden und andere Organisationen bedeutet dies, dass sie ihre Prozesse zum Einsatz generativer KI überprüfen müssen. Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten, interne Leitlinien sowie Verfahren, um Transparenzpflichten zuverlässig umzusetzen. Zur Unterstützung der Umsetzung hat die Europäische Kommission im Juni 2026 einen freiwilligen Verhaltenskodex veröffentlicht, der praktische Empfehlungen und einheitliche Kennzeichnungen vorsieht. Obwohl der Kodex rechtlich nicht bindend ist, dürfte er sich zu einem wichtigen Orientierungsrahmen entwickeln. Verstöße gegen die Transparenzpflichten können mit Bußgeldern geahndet werden und unter Umständen auch wettbewerbsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Regulierung als Chance – und Herausforderung

Die KI-VO ist mehr als ein Technologiegesetz. Sie ist auch eine gesellschaftliche und politische Weichenstellung europäischer Digitalpolitik und Ausdruck des Anspruchs, Innovation und Grundrechtsschutz miteinander zu verbinden.

Für Unternehmen, Behörden und andere Organisationen geht es darum, regulatorische Anforderungen effizient in bestehende Prozesse zu integrieren. Für Politik und Aufsichtsbehörden stellt sich die Aufgabe, die neuen Regeln verständlich, verhältnismäßig und rechtssicher auszugestalten. Und für Forschung und Zivilgesellschaft bleibt die Frage zentral, wie sich Transparenz, Rechenschaftspflichten und Innovation so miteinander verbinden lassen, dass Künstliche Intelligenz einen gesellschaftlichen Mehrwert entfalten kann und Grundrechte ausreichend geschützt sind.