Die Rolle der Wissenschaft in Zeiten von KI – ein Gespräch mit den Organisator:innen der #WIConf26

05/29/2026

Wir haben mit Anne Krüger und Florian Butollo darüber gesprochen, warum es die Weizenbaum Conference 2026 braucht und das Thema generative KI gerade jetzt wichtig ist.

Generative KI verändert nicht nur Technologien, sondern auch gesellschaftliche Machtverhältnisse und unser Verständnis von Wissen und Verantwortung. Für die Organisator:innen der Weizenbaum Conference 2026, Anne Krüger und Florian Butollo, steht deshalb weniger die Frage im Vordergrund, was KI technisch leisten kann, sondern welche politischen, sozialen und normativen Folgen mit ihrer zunehmenden Verbreitung verbunden sind. Gemeinsam plädieren sie dafür, die Debatte um generative KI also nicht auf technische Fragen zu reduzieren, sondern sie als grundlegende gesellschaftliche und politische Herausforderung zu verstehen.

Was macht die Weizenbaum Conference 2026 so besonders?  

Die Conference bietet eine erste empirische Bestandsaufnahme von gesellschaftlichen Veränderungen im Zeitalter der generativen KI – jenseits der üblichen wilden Prognosen und Spekulationen. Wir freuen uns auf neun großartig besetzte Panels, vor allem zu Fragen der Veränderung der Arbeitswelt und der Wissensproduktion. Außerdem verbindet die Conference Wissenschaft und Zivilgesellschaft, solide wissenschaftliche Erkenntnisse werden mit politischen Fragen zur Gestaltung sozio-technischer Zukünfte verknüpft.

Welche Fragen stehen im Mittelpunkt?

Wir fokussieren primär auf Veränderungen in der Arbeitswelt und der Wissensproduktion. Es gibt aber auch Sessions, in denen Forschungsergebnisse der Machtkonzentration, Ungleichheit, Geschlechterverhältnisse und Politik diskutiert werden. Die Keynotes und Panels adressieren Probleme der epistemischen, ökonomischen und politischen Machtverschiebung und diskutieren Strategiefragen rund um die Gestaltung der generativen KI.

Warum braucht es diese Konferenz gerade jetzt?

Bislang gibt es zwar eine große Aufmerksamkeit dafür, wie generative KI die Gesellschaft prägt, aber wenig solide Diskussionen auf Basis von Forschungsergebnissen. Die Big-Tech-Unternehmen haben einen großen Einfluss auf die Diskurse, wobei sich wilde Spekulationen mit Eigenwerbung verbinden. Die Konferenz ermöglicht erstmals eine breite Diskussion zu empirischen Ergebnissen dazu, wie generative KI auf gesellschaftliche Entwicklungen Einfluss nimmt und dabei selbst ein Produkt gesellschaftlicher Machtkonstellationen ist. Sie schärft außerdem den Blick dafür, dass die zukünftige Entwicklung von Aushandlungsprozessen abhängt, die wir beeinflussen können.

Welchen Impact hat sie für die Gesellschaft und welche Rolle spielt die Wissenschaft? 

Die Wissenschaft spielt hier eine ganz zentrale Rolle, weil die Debatte von Narrativen beherrscht wird, die oft eher Imaginationen entsprechen als tatsächlichen Veränderungen in der Substanz. Die Diskussion über KI ist von Mystifikationen geprägt, auf die schon Joseph Weizenbaum hingewiesen hat: Wir behandeln die KI wie ein vernunftbegabtes Gegenüber, obwohl sie kein Bewusstsein und keine Identität hat. Diese Auffassungen machen die Menschen jedoch ohnmächtig, weil sie übersehen, dass die Art und Weise, wie KI die Gesellschaft beeinflusst, von menschlichen Entscheidungen abhängt.

Ganz konkret korrigieren wir aber auch dystopische Vorstellungen über die umfassende Substitution von Arbeit, weil die empirischen Beiträge zeigen, dass mit generativer KI zwar Ungleichheit zunehmen kann, dass ihre Anwendung aber wesentlich auf dem menschlichen Arbeitsvermögen fußt. Generative KI ersetzt vielleicht Tätigkeitsaspekte, führt aber auch zu einer Erweiterung menschlicher Handlungsmöglichkeiten. Die Frage ist nur, inwieweit neue Möglichkeiten auch zu einer Verbesserung der Arbeitswelt führen.

Dieselbe Frage nach den Handlungsmöglichkeiten stellt sich auch für die Produktion von Wissen. Die Konferenz lädt dazu ein, darüber nachzudenken, wie sich Expertise und damit auch das Verhältnis von menschlichen Expert:innen und generativer KI in der Wissensproduktion verändern. Dies ist besonders relevant vor dem Hintergrund, dass auf der Basis dieser Expertise dann weitreichende Entscheidungen getroffen werden – sei es über eine medizinische Behandlung, ein juristisches Problem oder auch über die richtige Forschungsfrage in der Wissenschaft.

Vielen Dank für das Gespräch!