DECORA – Decoding Online Right-Wing Antisemitism

Teilprojekt des Verbundprojekts DAYVid: Decoding Antisemitism in YouTube Videos

Hintergrund

YouTube ist für Jugendliche und junge Erwachsene zur zentralen Informations- und Unterhaltungsplattform geworden – und zugleich zu einem der bedeutendsten Verbreitungsorte antisemitischer Inhalte im digitalen Raum. 81 Prozent der Jugendlichen in Deutschland nutzen die Plattform regelmäßig; ein Drittel informiert sich dort primär über weltpolitische Ereignisse. Wissenschaftlich fundierte, plattformspezifische Analysemethoden für YouTube – unter Berücksichtigung von langen Videoformaten, Kommentarsektionen und Empfehlungsalgorithmen – fehlen bislang.

Das Verbundforschungsprojekt DAYVid (Decoding Antisemitism in YouTube Videos) schließt diese Lücke. Es analysiert erstmals systematisch vier gesellschaftspolitisch besonders relevante Phänomenbereiche des Antisemitismus auf YouTube: rechtsextreme, linksextreme und islamistische Milieus sowie populäre Infotainment- und Erklärvideos zu Israel und dem Nahostkonflikt. Dazu entwickeln die drei Verbundpartner eine eigens für YouTube konzipierte interdisziplinäre Methodik, die linguistische Diskursanalyse, Filmwissenschaft, Multimodalitätsforschung, Kommunikationswissenschaft und KI-gestützte Verfahren integriert.

Das Weizenbaum-Institut leitet innerhalb des Verbunds das Teilprojekt DECORA (Decoding Online Right-Wing Antisemitism). DECORA analysiert vergleichend antisemitische Kommunikationsstrategien in rechtsextremen und neurechten YouTube-Kontexten – englischsprachige Inhalte der Alt-Right und deutschsprachige Inhalte der Neuen Rechten. Im Mittelpunkt stehen verbale, visuelle und multimodale Kommunikationsstrategien: codierte Sprache, implizite Narrative, israelbezogener Antisemitismus sowie Adaptionsprozesse nach dem 7. Oktober 2023. DECORA baut unmittelbar auf dem 2020 entwickelten Decoding Antisemitism-Ansatz auf, der ein multilinguales Korpus von über 300.000 annotierten Nutzerkommentaren umfasst und KI-gestützte Erkennungsmodelle mit qualitativer Diskursanalyse verbindet. Das Teilprojekt wird vom Decoding Antisemitism-Team am Weizenbaum-Institut geleitet.

Methodik und Ziele

Methodische Grundlagenentwicklung

In der ersten Projektphase entwickeln alle Verbundpartner gemeinsam eine antisemitismuskritische Methodik für die Analyse von YouTube-Videos. Diese integriert qualitative Diskursanalyse, filmwissenschaftliche Multimodalitätsanalyse und explorative KI-gestützte Verfahren. Ziel ist ein übertragbares methodisches Grundlagenwerk, das über das Projektende hinaus für die Forschung zu Hassdiskursen auf Videoplattformen nutzbar bleibt.

Vergleichende Fallstudien – DECORA

DECORA führt eine vergleichende Analyse antisemitischer Kommunikationsstrategien in rechtsextremen und neurechten YouTube-Kontexten durch. Das Teilprojekt generiert multimodale Korpora englischsprachiger Alt-Right-Videos und deutschsprachiger Neue-Rechten-Videos und analysiert diese auf den Ebenen Bild, Text sowie Text-Bild-Korrelation – einschließlich Kommentarsektionen und Profilpositionierungen. Zentrale Forschungsfragen sind:

  • Wie unterscheiden sich Alt-Right und Neue Rechte in der Gewichtung und Darstellung antisemitischer Konzepte (Stereotype, Verschwörungsmythen, diskursive Strategien)?
  • Welche sprachlichen und bildlichen Codes werden eingesetzt, um antisemitische Inhalte zu verschlüsseln?
  • Wie haben sich Narrative und Kommunikationsstrategien nach dem 7. Oktober 2023 verändert?

 

Projektlaufzeit: März 2026 – Februar 2029
Fördergeber: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
Verbundkoordination: Universität Trier
Verbundpartner: Weizenbaum-Institut | Universität Trier | Tikvah Institut gUG
Projektleitung (WI): Dr. Matthias J. Becker
Wiss. Mitarbeiter (WI): Marcus Scheiber