Weizenbaum & Friends: Mike S. Schäfer, Distinguished Fellow Weizenbaum-Institut

Wissenschaftskommunikation in der vernetzten Gesellschaft: Distinguished Fellow Mike S. Schäfer

03/26/2026

Mike S. Schäfer, Professor für Wissenschaftskommunikation, war Anfang des Jahres als Distinguished Fellow am Weizenbaum-Institut zu Gast. Wir haben mit ihm über seinen Forschungsaufenthalt gesprochen.

Mike S. Schäfer ist Professor für Wissenschaftskommunikation, Direktor des Center for Higher Education and Science Studies (CHESS) an der Universität Zürich und war Anfang 2026 Distinguished Fellow am Weizenbaum-Institut. Er zählt international zu den profiliertesten Forschern im Bereich der öffentlichen Wissenschaftskommunikation und untersucht, wie Wissenschaft, Medien, Politik und Öffentlichkeit in digital vernetzten Gesellschaften miteinander interagieren. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf dem digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeiten, Plattformdynamiken sowie gesellschaftlichen Debatten zu Künstlicher Intelligenz und Klimawandel.

In Bezug auf sein Fellowship lobt Schäfer vor allem die Interdisziplinarität des Weizenbaum-Instituts. „Das Weizenbaum-Institut gehört mittlerweile zu den führenden internationalen Einrichtungen im Bereich der Digitalisierungsforschung – von denen es weltweit nur eine überschaubare Zahl gibt. Im deutschsprachigen Raum ist es klar einer der Leuchttürme und sorgt institutionell, intellektuell und individuell für Capacity Building und Aufwuchs. Das Spektrum reicht von Plattformisierung und Datafizierung über Datenschutz und digitale Öffentlichkeit bis hin zu künstlicher Intelligenz als einer disruptiven Technologie, die in immer mehr Lebensbereiche hineinwirkt“, führt Schäfer aus. „Entscheidend ist dabei nicht nur, dass diese Themen bearbeitet werden, sondern wie: durch eine konsequent interdisziplinäre Perspektive“. Gerade weil technologische Entwicklung häufig primär aus einer technisch-naturwissenschaftlichen Perspektive gedacht wird, braucht es laut Schäfer Orte, an denen diese Entwicklungen gesellschaftlich, politisch und epistemisch eingeordnet werden: „Institute wie das Weizenbaum-Institut können genau diese Einordnung leisten – evidenzbasiert, interdisziplinär und mit gesellschaftlicher Relevanz“.

Aus seinem Forschungsaufenthalt am Weizenbaum-Institut nimmt Schäfer verschiedene Impulse mit. Zum einen seien das konkrete methodische Anregungen, etwa „wie man mit szientometrischen Ansätzen nachvollziehen kann, wie wissenschaftliche Konzepte in Politik oder Medien diffundieren,“ so Schäfer. „Auf konzeptioneller Ebene war es interessant, mit einem epistemischen, wissenssoziologischen Blick auf digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz zu schauen – also nicht nur darauf, wie KI kommuniziert wird, sondern wie sie Wissensproduktion selbst verändert. Und schließlich waren auch institutionelle Fragen spannend: Wie führt man ein heterogenes, interdisziplinäres Institut mit unterschiedlichen Partnern und den daraus resultierenden unausweichlichen Fliehkräften so, dass das das Potenzial auf den Platz bzw. an den Rechner bringt?“.

Im Rahmen einer Distinguished Lecture analysierte Schäfer, wie Plattformökonomie, Fragmentierung und KI, auf Macht, Glaubwürdigkeit und Vertrauen in die Wissenschaft einwirken und diese verändern. In der anschließenden Diskussion wurde lebhaft darüber debattiert, welche Folgen diese Entwicklungen für die Zukunft der Wissenschaftskommunikation haben werden. Die Fellowships am Weizenbaum-Institut fungieren so als Plattform für einen wechselseitigen Wissenstransfer, von dem sowohl das Institut in seiner interdisziplinären Ausrichtung als auch die Gastwissenschaftler:innen in ihrer fachlichen Weiterentwicklung profitieren.

Über das Fellowship:

Das Fellowship des Weizenbaum-Instituts ermöglicht nationalen und internationalen Wissenschaftler:innen aller Karrierestufen, gemeinsame Forschungsprojekte zu realisieren und langfristige Kooperationen aufzubauen. Seit dem Bestehen des Instituts 2017 sind über 357 Fellows aus 47 Ländern mit dem Weizenbaum-Institut verbunden – eine internationale Vielfalt, die das neue Format nun regelmäßig präsentiert. Seit 2023 können die Direktor:innen des Weizenbaums-Instituts renommierte Wissenschaftler:innen und Expert:innen als Distinguished Fellows für einen Aufenthalt an das Institut einladen, um Kooperationen zu vertiefen und diese in Veranstaltungen einzubinden. Dadurch schafft das Institut Raum für neue Kooperationen, gemeinsame Publikationen und langfristige Vernetzung – und stärkt so die Forschung zur digitalen Gesellschaft durch gezielten internationalen Austausch.