Wer kontrolliert das Web?
21.09.2026Weizenbaum-Institut und Open Search Foundation diskutieren Europas digitale Souveränität. Die Veranstaltung findet am 8. Oktober in Berlin statt mit der Fragestellung, warum Europa eine offene Infrastruktur für Webdaten braucht.
Daten gelten als zentrale Ressource digitaler Wertschöpfung, sowohl in der Entwicklung von Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz als auch für die Etablierung wettbewerbsfähiger datenbasierter Geschäftsmodelle. Doch ihre Erfassung, Aufbereitung und Bereitstellung wird heute maßgeblich von wenigen großen außereuropäischen Unternehmen geprägt, unter anderem in der Indizierung des offenen Internets durch proprietäre Suchmaschinen, die in diesem Marktsegment eine monopolartige Vormachtstellung etabliert haben. Welche Folgen hat diese Abhängigkeit für Europas Innovationsfähigkeit, Wirtschaft und demokratischen Informationsraum? Und wie kann eine offene europäische Webdateninfrastruktur aussehen? Darüber diskutieren das Weizenbaum-Institut und die Open Search Foundation am 8. Oktober 2026 in Berlin.
Für KI-Anwendungen werden verlässliche und zugängliche Webdaten immer wichtiger – etwa für Systeme, die mithilfe von Retrieval-Augmented Generation (RAG) aktuelle Informationen aus dem Internet beziehen, oder für agentische KI, die eigenständig Informationen recherchiert und verarbeitet. Damit gewinnt auch die Frage an Bedeutung, wer Daten erfasst, welche Informationen zugänglich sind und auf welcher Grundlage KI-Systeme arbeiten.
„Digitale Souveränität entscheidet sich auch daran, wer über die Daten des Webs verfügt, sie priorisiert, sichtbar macht und deutet. Europa sollte diese Infrastruktur nicht allein anderen überlassen“, sagt Dr. Esther Görnemann, Referentin für Forschungssynthesen am Weizenbaum-Institut.
Politische Initiativen wie das Digital Commons EDIC setzen wichtige Impulse für eine europäische Dateninfrastruktur. Aus Sicht der Veranstalter braucht es darüber hinaus offene Strukturen, die Forschung und Unternehmen einen unabhängigen Zugang zu Webdaten ermöglichen.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Open Search Symposiums 2026 statt. Auf dem Podium diskutieren Esther Görnemann, Stefan Mesken, Chief Scientist bei DeepL, Stefan Voigt, Vorstandsvorsitzender der Open Search Foundation und Forscher am DLR sowie Harald Wehnes von der Universität Würzburg. Harald Wehnes hält zuvor die Keynote. Moderiert wird die Diskussion von Olivier Blanchard (Open Search Foundation.