Die Bezahlkarte: Digitalisierung staatlicher Leistungen und ihre Folgen

30.09.2026

Seit August 2026 wird die Bezahlkarte für Geflüchtete auch in Berlin ausgegeben und ist damit bundesweit eingeführt. Sie soll die Auszahlung von Sozialleistungen digitalisieren und Verwaltungsprozesse vereinfachen – legt zugleich aber fest, wie Menschen über ihr Geld verfügen können: wie viel Bargeld sie abheben dürfen, ob sie Geld überweisen können oder wofür und wo die Karte eingesetzt werden kann.

Was bedeutet das für die Menschen, die auf die Leistungen angewiesen sind? Welche Einschränkungen setzt die Bezahlkarte tatsächlich um – und was sagt das über die Digitalisierung staatlicher Verwaltung sowie das Verhältnis von Technologie, Politik und Grundrechten aus?

Diesen Fragen gehen am Mittwoch 15. Oktober 2026 am Weizenbaum-Institut Sarah Lincoln (Gesellschaft für Freiheitsrechte, GFF), Judy Mbiyu (Women in Exile), Emily Barnickel (Flüchtlingsrat Berlin) und die Weizenbaum-Wissenschaftlerin Alexandra Keiner aus ihrer jeweiligen Perspektive nach.

Alexandra Keiner vom Weizenbaum-Institut: " Die Bezahlkarte zeigt, dass Digitalisierung staatlicher Leistungen nicht automatisch mehr Teilhabe oder Selbstbestimmung bedeutet. So verbindet die Bezahlkarte eine digitale Verwaltung mit migrationspolitischen Zielen der Kontrolle, Einschränkung und Abschreckung. Gerade deshalb müssen wir fragen, wessen Handlungsmöglichkeiten durch Digitalisierung erweitert und wessen eingeschränkt werden."

Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen der Podiumsgäste mit der Bezahlkarte und ihre Einordnung in die aktuelle Migrationspolitik. Die Veranstaltung findet zeitgleich mit der Smart Country Convention statt, die die Potenziale digitaler Technologien für eine moderne Verwaltung in den Blick nimmt. Die Podiumsdiskussion richtet den Blick auf eine andere Seite der Digitalisierung: Kann Digitalisierung staatlicher Leistungen für politische Steuerung genutzt werden und was bedeutet das für die Rechte und Handlungsmöglichkeiten der Betroffenen?

Die Veranstaltung findet gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung statt, auf Deutsch und Englisch mit Simultanübersetzung.

 

Die Bezahlkarte – Digitale Entrechtung von Geflüchteten?

Panel-Diskussion mit Sarah Lincoln (Gesellschaft für Freiheitsrechte, GFF), Judy Mbiyu (Women in Exile), Emily Barnickel (Flüchtlingsrat Berlin) und Alexandra Keiner (Weizenbaum-Institut)

Wann: 15. Oktober 2026
Uhrzeit: 19:00–20:30 Uhr
Wo: Weizenbaum-Institut, Hardenbergstraße 32, 10623 Berlin

Anmeldung: https://tickets.weizenbaum-institut.de/lmm9x/