Neue Studie: Öffentliches Geld für die KI – und was ist mit dem Glück?

10/20/2026

Forschende des Weizenbaum-Instituts und des Oxford Internet Institute schlagen Wohlbefinden als neues Ziel europäischer KI-Politik vor

Wer die Entwicklung Künstlicher Intelligenz mit öffentlichen Mitteln unterstützt, sollte auch deren gesellschaftlichen Nutzen einfordern. Das ist die zentrale Forderung der Studie „Optimising for Happiness in EU Technology Policy to Repay Public Subsidies for AI“ von Forschenden des Oxford Internet Institute und des Weizenbaum-Instituts. Die Studie wurde in der Zeitschrift Royal Society Open Science veröffentlicht. Die vier Wissenschaftler:innen schlagen vor, Wohlbefinden neben wirtschaftlichem Wachstum und Risikominderung als drittes Ziel europäischer KI-Politik zu verankern.

Die Europäische Union unterstützt die KI-Branche unter anderem mit Fördergeldern, Steuervergünstigungen sowie dem Zugang zu Land, Strom, Wasser und Daten. Unternehmen, die davon profitieren, sollten nach Ansicht der Forschenden darlegen, welchen messbaren Beitrag ihre Technologien zum gesellschaftlichen Wohlbefinden leisten.

„Die Öffentlichkeit trägt bereits erheblich zum Aufbau der KI-Industrie bei – durch Subventionen, Ressourcen und Daten. Sie sollte deshalb auch davon profitieren“, sagt Professor Brent Mittelstadt, Co-Principal Investigator der Forschungsgruppe „Normsetzung und Entscheidungsverfahren“ am Weizenbaum-Institut und Co-Autor der Studie.

Drei Dimensionen des Wohlbefindens

Auf Grundlage kognitionswissenschaftlicher Forschung beschreibt die Studie drei zentrale Voraussetzungen für Wohlbefinden: Verbundenheit, Kompetenz und Autonomie. KI kann alle drei Bereiche beeinflussen. Generative KI kann dazu führen, dass Menschen bestimmte Fähigkeiten weniger selbst entwickeln. Chatbots, die menschliche Eigenschaften imitieren, können soziale Beziehungen verändern und die eigenständige Entscheidungsfindung beeinflussen. Auch der Ausbau von Rechenzentren kann durch seinen Ressourcenbedarf Auswirkungen auf die Beziehung von Menschen zur Natur haben.

Daraus leitet das Autorenteam den Vorschlag ab, dass Unternehmen konkrete Beiträge zum Wohlbefinden prognostizieren und später Rechenschaft darüber ablegen, ob diese erreicht wurden.
 

Wirtschaftswachstum und Grundrechte zusammendenken

Die Studie stellt die Vorstellung infrage, wirtschaftliches Wachstum und Grundrechtsschutz müssten gegeneinander abgewogen werden. Stattdessen sollten mit öffentlichen Mitteln unterstützte KI-Technologien auch einen messbaren gesellschaftlichen Nutzen erbringen. Wohlbefinden könnte dabei als zusätzliches Kriterium neben wirtschaftlichen Zielen und Risikominderung dienen.

„Optimising for Happiness in EU Technology Policy to Repay Public Subsidies for AI“ von Sandra Wachter, Brent Mittelstadt, Daria Onitiu und Netta Weinstein, Royal Society Open Science, DOI: https://doi.org/10.1098/rsos.261323